Gespeichert unter: Internet, Radio | Schlagworte: Irrsinn, Klingelton, Musik, Radio
Nein. Das ist kein Hit. Aber ein Treffer. Ein PR-Treffer. Was? Na „Schnuffel“, die Nummer eins der Charts. Der süße Hase, der seiner Karotte ein Liebeslied singt. Fein, niedlich. Und „Schnuffel“ lässt die Kasse bei seinen Eltern klingeln.
Seine Eltern, das sind einige findige Grafiker und Programmierer des Klingelton- und Handy-Pimp-Anbieters „Jamba!“, der nicht nur durch penetrante Werbung auf den Teenie-Ex-Musiksendern auffällt, sondern im Netz auch durch Spreeblick.de bekannt geworden ist (und so auch Blogs in Deutschland bekannt gemacht hat). Das – zugegeben – süße Vieh ist Star in der Werbung, die nur von Musiksendungen unterbrochen wird, auf einer neuen CD und tatsächlich auf Platz 1 der deutschen Singelcharts.
Jamba feiert diesen Erfolg natürlich, denn in der Tat wurden Branchengrößen deklassiert, darunter Timbaland, der eigentlich mit allem, was er macht, auf die Spitze abonniert ist. Außer, „Schnuffel“ ist in der Nähe.
Das das allerdings erst möglich ist, seitdem Downloads und Klingeltöne ebenfalls für die Platzierung gezählt werden, verschweigt das Klingeltonunternehmen geflissentlich. Nun ja, muss ja auch nicht sein. Dass die massive Werbung für den Klingelton, die wirklich alle (gefühlte) 30 Sekunden zu sehen war, ihr übriges dazu beigetragen hat, ist auch logisch und richtig.
Und so feiert sich das Unternehmen für den Coup:
Mit Schnuffels Sprung in die Musikcharts beweist Jamba zum wiederholten Mal ein gutes Gespür für Trends sowohl in der mobilen Unterhaltung als auch in der Musikbranche. Lee Fenton, COO von Jamba, fügt hinzu: „Unser Kreativ-Team – die geistigen Eltern von Schnuffel – hat tolle Arbeit geleistet und wir freuen uns jetzt schon darauf, den Kunden auch künftig so tolle Ideen aus dem Hause Jamba zu präsentieren. Schon in der Vergangenheit sind hier erfolgreiche Figuren entstanden – wie beispielsweise im letzten Jahr die Crazy Cow.“
Ob das ein Gespür für den Geschmack ist, sei dahingestellt. Der Schock jedenfalls sitzt tief, dass das Unternehmen, das mit Abos für 2,99 Euro/pro Abrechnugszeitraum (wahlweise variabel 1 Woche, 5 Tage oder 3 Stunden) wirbt, so erfolgreich sein kann. Die gut geölte PR-Maschine läuft jedenfalls rund.
Bedenklich ist eher, dass Radiostationen kaum Einfluss hatten. Denn kaum einer von ihnen, selbst die Formatradios, haben den Langohr-Miniflokati gespielt – und trotzdem kennt ihn jeder. Das war beim „Crazy Frog“, auch so einem Handy-Kunstprodukt unter Musiktarnung, noch ganz anders.
Andererseits: Für Guerillamarketing wäre das schon wieder gut.
Vielleicht für Roland Koch.
Foto (c) obs/Jamba
1 Kommentar bis jetzt
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Da sieht man mal wieder im Extrem, wie krank der deutsche Musikmarkt ist. Es gibt viele gute Bands, die keinen Plattenvertrag bekommen, und die so gut wie keiner kennt, und dann ist SOWAS an der Spitze der Charts. Ich frage mich ernsthaft, wer sowas kauft! Da ist es fast beruhigend, dass Radiosender sowas kaum spielen.
Kommentar von ETiTho 25 Februar 2008 @ 5:46Gruß
ET