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Ein Punkt macht noch nicht anonym
29 April 2008, 8:57
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Die arme Frau ist geschützt. Dank der Medien. Denn sie setzen konsequent auf die Anonymisierung. Elisabeth F., die misshandelte Tochter aus dem erschreckenden Inzest-Fall in Österreich. Die TV-Stationen zum Beispiel haben sie konsequent F. genannt. So wie es sein muss.

Den Nachnamen ihres Peinigers und den Nachnamen ihrer schwer kranken 19-Jährigen Tochter haben sie allerdings in voller Länge genannt.

Update: Jetzt soll Elisabeth F. zum Schutz eine neue Identität erhalten. Zu lesen hier. Mal sehen, wann sie aufgespürt werden wird.



Explosive Äpfel und Birnen
20 April 2008, 3:59
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Recherche ist das eine. Das Wichtige, Wichtigste für eine gute Geschichte. Die Umsetzung ist aber leider oft etwa ganz anderes. Das gab es mal wieder zu besichtigen: bei „RTL Explosiv Weekend“. Ein an sich netter Opener zum Thema „Wie viel ist alles teurer geworden“ wird da vergeigt und versemmelt. Durch fehlende Informationen für den Zuschauer und durch schlampige Betextung.

Zu sehen ist in dem Clip eine Hauswirtschaftslehrerin, die schon im Jahr 2002 alle Preise für Artikel wie Milch, Brot und Eier aufgeschrieben hat. Diese an sich löbliche Tätigkeit diente nun als Beleg für die Abzocke mit den Lebensmittelpreisen. Denn genau diese resolute Dame sollte in einem Laden einkaufen. Jetzt, in diesem Jahr und Monat. Mit Einblendungen wurden die Differenzen gezeigt.

Hier aber liegt die Crux. Denn Die Lehrerin greift eine Milch, erkennbar Bio, und natürlich deutlich teurer. Ob sie früher aber auch diese Milchmarke gekauft hat? Wird nicht deutlich. Bei den Eiern ebenso genaue Information für den Zuschauer, ob der Vergleich überhaupt valide ist. Denn sie greift zu Bio-Freilandeiern, Goldklasse, spitze. Am teuersten. Was war es 2002? Das erfährt man nicht. Klar, teurer ist es geworden. Aber als sicheren Test und Bilanz darf man das nicht verkaufen. Zufall, ob am Ende die zurzeit durch die Medien geisternden Teuerungen herauskamen? Wer weiß. Vielleicht sind es auch die berühmten Äpfel mit Birnen

Ebenso dreist war das zweite Beispiel in dem Beitrag. Hier wird ein Mann samt Sohn beim Einkaufen und Sparen gezeigt. Im Supermarkt stürzt er sich auf die beinahe abgelaufenen Waren (Vater: „Das merkt man ja nicht“). Ebenfalls ein Beleg für die Teuerung. Dumm nur, dass draußen die Sonne strahlt, alle T-Shirts anhaben und auf einem deutlich erkennbaren Etikett „21.8.“ steht.

Der Beitrag war eben schnell zusammengeschustert. Dass dabei auf der Strecke blieb, wie man die gegebenen und nicht gegebenen Informationen, ist doch egal, oder?

Peinlich. Einfach nur peinlich.



Wichtige Dinge – heute: Angela Merkels Ausschnitt
14 April 2008, 6:13
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Es geht einmal mehr um die wichtigen Dinge im Leben. Und zwar in allen europäischen Medien. Um die Einweihung der Oper in Oslo. Genauer: Um das Kleid, das Kanzlerin Angela Merkel trug. Ein schlichtes Abendkleid mit tiefem Dekolleté.

Und alle berichten darüber, zum Beispiel hier, hier, hier, hier, hier und hier. Welt, Spiegel, Bild, und alle anderen sowieso. Sowie Medien in Norwegen, Italien, in der Türkei, in Polen. Die Architektur trete in den Hintergrund, Merkel spiele alle an die Wand. Das geht sogar soweit, dass ein Regierungssprecher sich entschuldigen musste, dass dies nichts mit Gesprächen über einen türkischen EU-Beitritt zu tun hat.

Tja, die Topthemen sind immer wieder überraschend.

Noch mehr Links hier. Und ein Video hier.



Kurze Erinnerung
12 April 2008, 9:24
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Ethik.

Pressekodex, Ziffer 8:

ZIFFER  8   PERSÖNLICHKEITSRECHTE
Die Presse achtet das Privatleben und die Intimsphäre des
Menschen. Berührt jedoch das private Verhalten öffentliche
Interessen, so kann es im Einzelfall in der Presse erörtert wer-
den. Dabei ist zu prüfen, ob durch eine Veröffentlichung Per-
sönlichkeitsrechte Unbeteiligter verletzt werden. Die Presse
achtet das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und
gewährleistet den redaktionellen Datenschutz.

Pressekodex, Ziffer 9:

ZIFFER 9  SCHUTZ  DER  EHRE
Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen
Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu ver-
letzen.

Pressekodex, Ziffer 12:

ZIFFER  12   DISKRIMINIERUNGEN
Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung
oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, so-
zialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.

„Bild“-Überschrift von heute:

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Schleichwerbung mit Bademode
11 April 2008, 10:06
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„Dauerwerbesendung“. Diese Einblendung findet sich auf Verkaufsstrecken im Fernsehen, die ein Produkt anpreisen. Außer, man ist Frühstücksfernsehen auf Sat.1. Dort wurde heute morgen ein journalistisches Angebot unterbreitet – am Ende war es nur Werbung.

Was ist dort passiert? Von Frau zu Frau haben sich Moderatorin und Expertin über die Damen-Bademode 2008 unterhalten. Bikinis, Tankinis und was es da sonst noch so gibt. So weit, so gut. Gezeigt wurden Kleidungsstücke der amerikanischen Marke „Victoria’s Secret“. Kommentare dazu: „Kann man nur über das Internet bestellen“. „Die Größen kann man nur auswählen, die angeboten werden.“ „Die Nähte sind hart.“ „Die Ware ist nicht das, was die Models immer tragen“ – vulgo: alles Ramsch.

Doch es ging weiter: Bei einem Modell quoll es oben heraus und unten schlackerte es. Das lag der Expertin zufolge an der mangelnden Auswahlmöglichkeit bei der Bestellbeschränkung. Wahrscheinlicher ist, dass alle vier Models Modelle tragen mussten, die absichtlich falsch bestellt worden sind.

Beleg? Klar. Denn vollends zur Werbesendung verkam der angeblich journalistische Beitrag, der ja der Information dienen sollte, in der nächsten Runde. die gleichen Models in perfekt sitzenden Stücken. Gekauft bei einer Firma in Berlin. Der Firma der „Expertin“. Von ihr selbst gelobt in höchsten Tönen: „Da sitzt alles“. „Natürlich können Sie bei uns kombinieren“. „Die Verarbeitung ist perfekt.“ Assistiert wurde sie von der Moderatrice, die ebenfalls empfahl, doch dort zu kaufen. Durchsichtig war die Mode nicht. Die Masche aber schon.

Wie sagt man so schön: Eine Überschrift ist manchmal mehr wert als 10 Anzeigen.

Kein Wunder, dass Sat.1 so bekannt für journalistische Kompetenz ist.