War das nun der Zwiespalt einer sechszehnjährigen Nervensäge oder aber ein geschickter PR-Gag? Benjamin Herd, Nachwuchs-Nichttalent bei DSDS und zurzeit der Kandidat, der am meisten polarisiert.
Und das nicht nur durch seinen “Ich höre auf”, Papa Bohlen quatscht, “Ich mache weiter”-Auftritt dieser Tage, von RTL perfekt dokumentiert. Sondern auch durch allerlei unreife, deutlich pubertäre Aussprüche und Auftritte. Ohne Zweifel – Benjamin Herd ist für diese Stafel ein Geschenk.
Denn eigentlich dürfte klar sein, dass solche Aktionen zur Masche der RTL-Anrufmaschine gehören können. Was ist wohl besser als ein Kandidat, der Fans und Hasser auf sich zieht. Fans rufen an, damit er drin bleibt, Hasser rufen für andere an, damit er fliegt. Perfide, treibt aber die Umsätze in die Höhe. Natürlich ist das eine Annahme, aber ist sie wirklich unwahrscheinlich?
Außerdem hilft das der PR-Maschine. Die “Bild” berichtet natürlich über den Skandal und den Streit, die RTL-Gossip-Sendungen von Punkt… über “exclusiv” und “Explosiv” und natürlich durchgereicht bis RTL2. Im RTL-Videotext wird vom “ersten Streit der Jury” berichtet, weil Bär Lasker Benjamin absolutes Nichtkönnen bescheinigt, was auch Dieter Bohlen nicht abstreitet. Für ihn liegt Benjamins Talent in der großen Klappe. Nun ja, da hat er ja Ahnung von.
Ein weiterer Hinweis auf die PR-Gag-Theorie ist die Historie von DSDS. In Staffel 1 war es Gurkenkönig Daniel Küblböck, der nur für den Spaß- und Anruffaktor überhaupt dringehalten worden ist. In Staffel 2 war es Lorenzo, der zwar singen konnte, aber auch eine umstrittene Marke war. An Staffel 3 polarisierte der labile junge Stefan (auf dessen Nachnamen ich aus diesem Grund verzichte), in Staffel 4 flog Max Buskohl aus der Sendung (offiziell ein Ausstieg. Aber er wurde wahrscheinlich disqualifiziert). Alle siegten nicht und gingen, nachdem sie für Anrufer ohne Ende gesorgt hatten.
Talente zu finden ist jedenfalls nicht die einzige Aufgabe von DSDS und der Jury. Für Umsatz zu sorgen ist mindestens genauso wichtig. Auch auf Kosten junger Leute. Es wäre interessant, mal die Anruferzahlen der einzelnen Folgen pro Person zu vergleichen. Passieren wird das nicht.
Der Gewinner aber ist – wie in Las Vegas – ausschließlich der Veranstalter.
Oder hat es wirklich schon einen Superstar gegeben, der in dieser Sendung gefunden worden ist.