Willi Herren ist auf Drogenentzug. Das ist schlimm, und man wünscht dem Schauspieler persönlich alles Gute, auf dass er die schwierige Situation übersteht. Aber bitte privat und nicht, wie seit Tagen auf RTL zu besichtigen ist. Jedenfalls nicht so.
Sicher, Drogen sind ein riesiges Problem und man muss darüber berichten. Aber man macht es genauso nicht, wie es der Kölner Sender im Moment macht. Das ist echtes Krawall-TV.
Da zeigt der Sender – immer unter Betonung, dass es sich um den eigenen Wunsch Herrens handelt – einen Menschen auf der Suche nach Drogen. Beim Ausrasten, rumschreien und angeblich im Rauschzustand. Filmt ihn und andere (wenigstens anonymisiert) in der Entzugsklinik und zeigt auch seine Familie im Bild. Interessant ist dabei, dass Herren fast immer hellwach ist, gepflegt aussieht und gar nicht den Eindruck macht, den ich bei der Behandlung Süchtiger im Krankenhaus kennen gelernt habe.
Ist es aber eigentlich Zufall, dass auch in der „GZSZ“-Soap gerade ein Drogenproblem thematisiert wird? Doping wird Thema in „AWZ“. Beides RTL-Sendungen, eine sogar von der Drogenbeauftragten unterstützt. Infos zu Kokain – Herrens Droge – gibt es hier bei Wikipedia.
Auch wenn das Thema immer wieder wichtig ist – die Machart ist nicht seriös. Natürlich wird jeder Beitrag für die Dauer von 14 Tagen durch die gesamte Verwertungskette – Punkt 9, Punkt 12, exclusiv, Explosiv, manchmal den News und wahrscheinlich auch bei RTL 2 – gezogen.
Aber die Glaubwürdigkeit ist fraglich.
Voll im Leben, könnte man meinen, doch drängen sich uns Fragen auf, die sonst niemand zu stellen wagt. Was soll der exhibitionistische Sprung ins Fernsehen bewirken, zumal in die Intensivstation auf RTL?
heißt es hier. Eines auf jeden Fall: die Kassen zu füllen. Ob auf diese Weise aufgeklärt und abgeschreckt wird, wage ich zu bezweifeln. Dafür ist es nicht drastisch genug. Und die Symptome sind in den Clips auch nicht zusehen.
wer glaubt denn da an ne real doku? willi macht alles für kohle sogar seine ganze familie spielt da mit, echt arm willi
lautet ein Kommentar in einem Clipfish.de-Video, dass hier zu sehen ist. Und auch in der Blogosphäre gibt es hier Diskussionen darum, auch wenn viele Fans zu sein scheinen und die Sendestrecke begrüßen.
RTL macht auch jeden Fall Gewinn mit der Leidensgeschichte. Willi Herren ist dagegen am Ende. Nicht nur wegen der Drogen, sondern auch wegen der Darstellung.
Schade. Denn einen Süchtigen zu begleiten und sein Leiden realistisch zu dokumentieren, wäre eindrucksvoller gewesen.
Aber der wäre ja nicht im Dschungelcamp gewesen.
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Da ist dir Aufregung wieder groß. Helikopter über dem Haus von „Skandal-Spears“. Das titelt „Spiegel online“ hier und berichtet über einen Polizei- und Paparazzieinsatz, Selbstmordspekulationen und die ganze Leidensgeschichte der Sängerin.
Boulevardmedien sprechen von einem Selbstmordversuch. [...]Spears’ Manager Sam Lufti sowie ihre Mutter Lynn bestritten dies gegenüber einem Fotografen. Die Polizei verweigert laut tmz.com jegliche Stellungnahme. Bislang wurde vor dem Haus allerdings noch kein Krankenwagen gesichtet.
Viel interessanter ist aber nicht die Tatsache, dass vielleicht wirklich ein Selbstmordversuch vorliegt. Der übrigens ist aus ethischen Gesichtspunkten nicht berichtenswert, selbst wenn es ein Promi ist. Sondern interessanter ist vielmehr, dass diese „Skandal-Spears“ erst durch die Medien gemacht worden ist. ein Beweis ist die neuerliche Aktion samt Berichterstattung.
„Spiegel online“: Etwa 60 Paparazzi sind mit ihren Teleobjektiven vor dem Haus in Stellung gegangen. Das Fernsehen ist ebenfalls mit mehreren Übertragungswagen vor Ort, über der Szenerie kreist ein Helikopter. Wie der US-Nachrichtensender CNN meldet, erreichten Beamte des North Hollywood Police Department um 0 Uhr 55 Britney Spears’ Adresse.
Und hier hört es auf, Nachrichtenwert zu haben. Nun kann man sich die Frage stellen, ob Spears daran nicht selbst Schuld ist. Immerhin hat sie früher, im Erfolg, mit den Medien gespielt und für ihre Zwecke benutzt. Das hat sich jetzt gewandelt.
Zum Schlechten. Denn es ist offensichtlich, dass die Dauerbelagerung durch die Medien zum Zusammenbruch beiträgt. Anscheinend ist sie durch die zumindest unterstellte Drogensucht labil, das ist nun mal eine Folge von Abhängigkeit. Der Druck durch die Fotografen zwängt ein. Für einen labilen Menschen ist dies ein riesiges Problem.
Update 13:13 Uhr: „Spiegel online“ meldet die Einweisung Spears’ in eine Psychiatrie. In der Überschriftwird sie inzwischen als Skandal Spears bezeichnet. Also ist Britney Spears ein Skandal. Diese Aussage an sich ist schon einer.
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Gibt es embedded journalism und vorauseilenden Gehorsam beim ZDF? Diese Eindruck kann man gewinnen, glaubt man dem Schweizer Magazin Migros und dem etmblog, das sich darauf bezieht. In der Tat erhebt Ulrich Tilgner schwere Vorwürfe gegen den öffentlich-rechtlichen Sender.
Er fühle
sich in Deutschland in seiner Arbeit zunehmend eingeschränkt, gerade auch was die Berichterstattung aus Afghanistan angeht, jetzt, wo dort deutsche Soldaten sterben.
Doch nicht nur möglicherweise persönliche Befindlichkeiten gaben den Ausschlag. Tilgner in Migros weiter. Es gebe Bündnisrücksichten, die sich in der redaktionellen Unabhängigkeit der Sender widerspiegelten.
Gleichzeitig werde Politik immer mehr in Nischen verdrängt. In der Schweiz hingegen sind Sendungen wie ‹Tagesschau› oder ‹10vor10› Institutionen.
Dort habe er noch keine Eingriffe in seine Arbeit erlebt.
Und genau die sind das Problem. Die Medien sollen frei von Parteidenken sein und sich keinerlei Einflüssen unterwerfen. Doch spätestens seit dem US-Einmarsch in den Irak mit den embedded journalists, die in Uniform auf dem Panzer saßen und willfährig Berichte vor Veröffentlichung vorlegten, ist das Geschichte. Auch damals waren öffentlich finanzierte Sender dabei.
Tilgners Vorwürfe mögen dem Frust entsprungen sein. Eine Grundlage entbehren sie aber deswegen noch lange nicht. Aufklärung ist notwendig.