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Soll er kommen? Soll er nicht? Der Onlinekodex ist im Moment ein wieder heißt diskutiertes Thema. In der aktuellen „Journalist“-Ausgabe gibt es Pro, Contra und ich weiß nicht. Dabei dreht sich die Diskussion ein wenig im Kreis. Denn eigentlich gibt es den Kodex schon – wenn auch als zahnloser Tiger.
Denn es gibt den Pressekodex, der eigentlich für alle Printmedien verbindlich sein sollte. Die ethischen Grundsätze sind seit 50 Jahren verbrieft, zum Beispiel hier; nachzulesen. Ob dieser Kodex nun wirklich sinnvoll oder bloße Makulatur ist, bleibt offen. Sanktionen jedenfalls bietet er nicht. Selbst eine Rüge, die eigentlich abgedruckt werden müsste, kann verschwiegen werden – ohne Folge für das Medium. Dennoch lernen junge Journalisten die Regeln kennen.
Presserats-Geschäftsführer Lutz Tillmanns bezieht eine klare Position und sieht sein Gremium zuständig:
„Wir müssen keinen neuen Pressekodex erfinden, die grundsätzlichen Prinzipien der journalistischen Arbeit sind ja schon einmal niedergeschrieben worden.“
Allein, die neuen Formen im Netz mit Bildern und Videos seien ein Problem.
Sind sie das? Wieso sollten sie ein Problem sein? Für den Umgang mit Fotos gibt es ebenso Regeln wie Verbote von übermäßiger Sensationsdarstellung, schluriger Recherche und mangelnder Sorgfalt. Web-TV und andere Entwicklungen sind davon nicht ausgenommen.
Auch wenn Tillmanns das anders sieht: „Wir kommen vom Text her“. Ja und? Gelten die ethischen Regeln denn nicht für TV-Redakteure? Wenn nein, dann ist die Diskussion bereits an dieser Stelle müßig. Denn dann muss es einen Medienkodex geben, der unabhängig von der Gattung ist. Und keinen Kodex, der nur einen Teil der Branche abdeckt.
Deshalb hier die Erinnerung an die beiden ersten Ziffern des Pressekodex mit den Standesregeln:
Ziffer 1 – Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.
Ziffer 2 – Sorgfalt
Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen. Symbolfotos müssen als solche kenntlich sein oder erkennbar gemacht werden.
Das sagt eigentlich schon alles. Und gilt für alle.
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Journalistische Qualität bei „Bild“? Steht hier:
Andreas Wiele, der im Vorstand der Axel-Springer-AG für die „Bild“-Zeitung zuständig ist, hat sich in einem Interview mit dem Branchendienst turi2.de über BILDblog geäußert:
Viel Feind, viel Ehr. Das ist ein Thema, was sich an ein paar obskure Online-Blogger wendet. Ich glaube, wir richten uns an zwölf Millionen Leser. Die wissen die journalistische Qualität der „Bild“-Zeitung zu schätzen. Und ich muss ganz ehrlich sagen, die Kritik, die in BILDblog an „Bild“ geübt wird – wenn das alles ist, was man uns vorwerfen kann, dann können wir in der Tat mit Recht stolz auf die Qualität der „Bild“-Zeitung sein.
Ja nee, ist klar.
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Blogs und Kommentarfunktionen, schreibt Fiete Stegers im „journalist“, sind bei den Redakteuren immer noch nicht als Kommunikatinsmethode angekommen. Schade eigentlich, denn gerade diese Technologie breitet sich mit einem Wahnsinnstempo aus. Und diejenigen, die zumindest wissen, was ein Blog ist, sehen überwiegend Krawall-Potenzial, das ihren eigenen heren, aber manchmal nicht gerechtfertigten Ansprüchen widerspricht.
Da heißt es dann
Viele werden von den neuen Feedback-Möglichkeiten abgeschreckt, ignorieren sie oder versuchen sogar, nach Kräften dagegenzuhalten.
Dem springt Stefan Niggemeier bei und diagnostiziert Ingoranz:
Ich habe fast immer das Gefühl, dass die Kommentare sich selbst überlassen werden. Es scheint, als ob die Redakteure überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen, was im Nutzerbereich ihrer Webseite passiert.
Und genau das ist das Problem. Diese neue Medienwelt ist an vielen vorbeigegangen, die Entwicklung stockt meist in der Online-Redaktion, der sie durch Datenexport automatisiert zuarbeiten. Eine Auseinandersetzung mit dem neuen Medium dagegen findet nicht statt. Die Technologien, die Blogs bieten, werden zurzeit massiv eingesetzt, wie z.B bei DerWesten.de. Niggemeier äußert zwar Verständnis, denn in der Tat ist der Produktionsdruck oft groß – aber generelle Ignoranz scheint ebenfalls Fehl am Platze. Denn Blogs und vor allem die Kommentarfunktionen auf den verlagseigenen Seiten sind ein Regulativ, in dem es eben auch manchmal im Ton hart zur Sache geht. Das zu ignorieren, kann dabei ein Fehler sein, der als Arroganz ausgelegt.
Die von Stegers angebrachten O-Töne unter anderem von Hans-Jürgen Jakobs (sueddeutsche.de) oder Stephan Hebel (FR) oder Gabriele Fischer (brand eins), die vollkommen unterschiedliche Standpunkte haben, sind ein weiteres Beispiel für die Zerrissenheit der Branche und auch die unterschiedlichen Ansichten.
Diese Zerrissenheit ist auch wunderbar in der Diskussion zu sehen gewesen, die der DJV im Januar veranstaltet hat und die auf onlinejournalismus.de, also hier, nachzulesen ist.
Stellt sich die Frage, wie die Welten verschmolzen werden können. Hier liegt im Moment das größte Problem.