medienrepublik.de


Sind Radiosender schuld an Schnuffels Erfolg?
25 Februar 2008, 1:33
Gespeichert unter: Internet, Radio | Schlagworte: , , ,

schnuffelklein.jpgNein. Das ist kein Hit. Aber ein Treffer. Ein PR-Treffer. Was? Na „Schnuffel“, die Nummer eins der Charts. Der süße Hase, der seiner Karotte ein Liebeslied singt. Fein, niedlich. Und „Schnuffel“ lässt die Kasse bei seinen Eltern klingeln.

Seine Eltern, das sind einige findige Grafiker und Programmierer des Klingelton- und Handy-Pimp-Anbieters „Jamba!“, der nicht nur durch penetrante Werbung auf den Teenie-Ex-Musiksendern auffällt, sondern im Netz auch durch Spreeblick.de bekannt geworden ist (und so auch Blogs in Deutschland bekannt gemacht hat). Das – zugegeben – süße Vieh ist Star in der Werbung, die nur von Musiksendungen unterbrochen wird, auf einer neuen CD und tatsächlich auf Platz 1 der deutschen Singelcharts.

Jamba feiert diesen Erfolg natürlich, denn in der Tat wurden Branchengrößen deklassiert, darunter Timbaland, der eigentlich mit allem, was er macht, auf die Spitze abonniert ist. Außer, „Schnuffel“ ist in der Nähe.

Das das allerdings erst möglich ist, seitdem Downloads und Klingeltöne ebenfalls für die Platzierung gezählt werden, verschweigt das Klingeltonunternehmen geflissentlich. Nun ja, muss ja auch nicht sein. Dass die massive Werbung für den Klingelton, die wirklich alle (gefühlte) 30 Sekunden zu sehen war, ihr übriges dazu beigetragen hat, ist auch logisch und richtig.

Und so feiert sich das Unternehmen für den Coup:

Mit Schnuffels Sprung in die Musikcharts beweist Jamba zum wiederholten Mal ein gutes Gespür für Trends sowohl in der mobilen Unterhaltung als auch in der Musikbranche. Lee Fenton, COO von Jamba, fügt hinzu: „Unser Kreativ-Team – die geistigen Eltern von Schnuffel – hat tolle Arbeit geleistet und wir freuen uns jetzt schon darauf, den Kunden auch künftig so tolle Ideen aus dem Hause Jamba zu präsentieren. Schon in der Vergangenheit sind hier erfolgreiche Figuren entstanden – wie beispielsweise im letzten Jahr die Crazy Cow.“

Ob das ein Gespür für den Geschmack ist, sei dahingestellt. Der Schock jedenfalls sitzt tief, dass das Unternehmen, das mit Abos für 2,99 Euro/pro Abrechnugszeitraum (wahlweise variabel 1 Woche, 5 Tage oder 3 Stunden) wirbt, so erfolgreich sein kann. Die gut geölte PR-Maschine läuft jedenfalls rund.

Bedenklich ist eher, dass Radiostationen kaum Einfluss hatten. Denn kaum einer von ihnen, selbst die Formatradios, haben den Langohr-Miniflokati gespielt – und trotzdem kennt ihn jeder. Das war beim „Crazy Frog“, auch so einem Handy-Kunstprodukt unter Musiktarnung, noch ganz anders.

Andererseits: Für Guerillamarketing wäre das schon wieder gut.

Vielleicht für Roland Koch.

Foto (c) obs/Jamba



Wider dem Sprachpanschen
29 Januar 2008, 9:41
Gespeichert unter: Journalismus, Radio, Sprachirrsinn | Schlagworte: , ,

Qualität sieht anders aus. Vor allem im Radio. Doch das, was zurzeit auch in öffentlich-rechtlichen Sendern ausgestrahlt wird, trotzt oft der Sprache, Logik und des Wissens. Dass das ein Problem ist, hat auch die neueste Ausgabe des „Journalist“ in seiner aktuellen Ausgabe beschrieben. Autor Wolfgang Scheidt ist Redakteur bei „neun live“, was ihn aber nicht abqualifiziert, sondern vielmehr zum Experten werden lässt. Erschreckend ist, dass der Mann so richtig Recht hat. Beispiele gibt es ohne Ende, einige vor wenigen Minuten. Das belegt: Sprachpanscher und Sprachverwascher sind auf dem Vormarsch.

Zum Beispiel in den „news“ – eigentlich sind es ja Nachrichten – heute Morgen. Der Sprecher stottert sich einen ab, als ob er die Nachricht selbst zum ersten Mal sieht. Und dann kommt es wieder zu Präzision eines Uhrwerks. „[...] US-Präsident Bush bei seiner letzten Rede zur Lage der Nation vor den Abgeordneten des Senats und des Kongresses.“ Ah ja. Mal abgesehen davon, dass die Kammern in den USA Senat und Repräsentantenhaus heißen und zusammen der Kongress sind, und mal abgesehen davon, dass der Präsident auch einen Vornamen hat, stimmt das ja auch sogar alles.

Derselbe Moderator hat aus dem niedersächsischen Wahlverlierer Wolfgang Jüttner sprachlich einen Jittner gemacht und ist immer wieder bei allerlei obskuren Aussagen zu erwischen.

Deshalb hier ein Plädoyer gegen zuviel Boulevard in der Sprache und für eine saubere Recherche auch zu Kleinigkeiten. Dann wird vieles Glaubwürdiger – und so ganz nebenbei können die Hörer sogar eine richtige Information bekommen. Gebt Sprachpanscher und Faktenverschleierern keine Chance, sondern dreht bitte einfach ab.