Sollen wir im Netz jetzt doppelt bezahlen?
Diese Vermutung liegt nahe, wenn man die Meldung der „Netzeitung“ liest, die von geplanten Online-Gebühren berichtet (volle Länge hier). Die Telcos begründen diese Idee einer Internet-Maut mit dem massenhaft, ja exponentiell gestiegenen Volumen, das durch Breitbandanschlüsse zu Stande kommt.
Hmmm. Da kratzt man sich ein wenig am Kopf. Denn wer bewirbt denn DSL, UMTS und Co? Richtig, die Telcos. Die Revolution, die uns allen hilft. Und dann bitten sie zur Kasse, weil die Investition in die Hardware so teuer ist? Also bitte. Das klingt doch eindeutig nach Vorwand, und das ist es auch.
Zwar verdoppelt sich laut „Netzeitung“ das Datenvolumen im Internet alle zwölf Monate. Immerhin feiert der Branchenverband Bitkom die Verbreitung von UMTS selbst als Erfolg, wie hier zu lesen ist. Und zahlreiche Statistiken gibt es hier. Das ist mit enormen Kosten verbunden und diese würden die Netzbetreiber künftig am liebsten auf die Verursacher abwälzen. Doch gepusht wird das auch von den Telekommunikationsunternehmen, die genau diese Leistungsfähigkeit bewerben, grantieren und z.T. sogar mit dem Download von allem werben.
Eine glatte Fehleinschätzung oder gezieltes Marketing, um durch die Hintertür entsprechende Umsätze zu generieren? Die Werbung spricht für Letzteres.
Die Telcos wiegeln in der „Netzeitung“ natürlich ab:
Nur ums Geld geht es beiden Seiten offiziell natürlich nicht. «Wir wollen nicht immer nur über die Preise diskutieren. Es geht um die Qualität. Die von Voice-over-IP-Gesprächen zum Beispiel hat abgenommen. Über diesen Punkt müssen wir sprechen», sagt Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg.
Die Diskussion, die auch in den USA geführt wird, ist aber eine vollkommen unmögliche. Denn der Kunde zahlt die Telcos für ihre Leistung. Die heißt: Leitung bis zum PC, unabhängig von den Inhalten. Und wenn man eine Leistung anbietet, muss man sie auch erfüllen. Zu kassieren und dann nach Volumen nochmal zu kassieren – das geht nicht, selbst wenn es an den Tankstellen mit Mineralöl- und der KFZ-Steuer prima funktioniert.
Es gibt ja noch eine weitere Idee, die dort in den Köpfen herumspukt. Kassieren wir bei Amazon, Google, Disney und Co. Die bieten ja die Multimedia-Inhalte an. Das heißt, die müssten dafür Gebühren einführen. Dass das den Untergrund stärkt, P2P-Netze und File-Sharing, scheint egal.
Hauptsache, die Kasse der Telcos füllt sich.
Was aber auf der Strecke bleibt, ist der freie Zugang zu Informationen, die Gelegenheit, sich aktiv eine Meinung zu bilden und so an der Demokratie zu beteiligen. Newsseiten wären die Verlierer, denn durch die Multimedia-Inhalte erzeugen sie hohe Raten; auch Anzeigen lassen sich schlechter verkaufen. Und in der Folge, das scheint zumindest denkbar, verlieren auch Blogs und Foren. Also das, was das Web wirklich ausmacht.
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Das Umkrempeln geht weiter bei der „Ostsee-Zeitung“ und den „Lübecker Nachrichten“ – ein gemeinsamer Mantel kommt definitiv, berichtet Kress online hier. Mit einem sehr bitteren Nachgeschmack: 200 Stellen fallen bis 2013 über Altersregelungen weg. Springer spart halt mal wieder ein, die Vielfalt gerade in den überregionalen Teilen nimmt wieder ein wenig ab.
Ob die „Ostsee-Zeitung“ durch ihren Sonderseiten als eigenständiges Format bleibt, ist zu bezweifeln. Auf jeden Fall ist sie dann nur noch eine reine Lokalredaktion.